Livi Thoma
erzählt, welche
Vorteile ihr der
Unterricht im BZWU-Shop bringt.
Vor einem Jahr hat im Berufs- und Weiterbildungszentrum (BZWU) Wil der Shop eröffnet. Darin sollen Lernende die Theorie in die Praxis umsetzen. Auszubildende Detailhandelsfachleute im zweiten Lehrjahr geben Auskunft, wie sie den Unterricht zwischen den Regalen erleben.
Wil «Weshalb werden die ‹Petit Beurre› im Regal genau auf dieser Höhe platziert?», fragt Marco Licciano. Es ist Montagmorgen nach der Znünipause im Berufs- und Weiterbildungszentrum (BZWU) Wil. Der Fachlehrer für Detailhandel steht vor einem Regal, das ebenso gut in einem Lebensmittelladen stehen könnte, in der Hand die Verpackung der besagten Butterkekse. Seine Frage richtet sich an die rund 20 Schülerinnen und Schüler, die zwischen Kühlregalen, Lebensmittelaufstellern und Selfscan-Kassen an Pulten sitzen. Eine Hand schnellt in die Höhe. «Das Produkt ist auf Sichthöhe», antwortet ein Schüler auf Liccianos Frage. «Richtig», nickt der Lehrer. «Heute geht es um den Produktelebenszyklus.»
Der Unterricht der Detailhandelsfachfrauen und -männer im zweiten Lehrjahr findet heute im Shop statt – einem Praxisraum, in dem sie üben können, wie sie ihre Kundinnen und Kunden beraten und bedienen müssen. Vor genau einem Jahr hat der BZWU-Shop nach einer Umbauphase wieder geöffnet: 340 Quadratmeter, die mit allen Funktionen eines modernen Detailhandelsbetriebes ausgestattet sind. «Der Shop hat eine klassische Coop-Filiale als Vorbild», weiss Christian Sauder, Bereichsleiter Detailhandel. Es sei darauf geachtet worden, im Shop sogenannte Begegnungszonen – wie etwa eine Kaffeeecke – einzurichten, mit denen der Detailhandel vor Ort dem Onlinehandel Konkurrenz machen könne, erklärt Sauder. «Heutzutage geht es darum, Einkaufserlebnisse für Kundinnen und Kunden zu schaffen.»
Im BZWU-Shop können Schülerinnen und Schüler Gelerntes direkt in die Praxis umsetzen. Um den Übergang von der Theorie in die Praxis möglichst fliessend gestalten zu können, gibt es im umgebauten Shop neu auch Arbeitsplätze. «Unsere Vision ist es, den Schulraum mit dem Praxisraum zu verknüpfen», begründet der Schulleiter Urs Thoma das angepasste Konzept. «Lernende können vom Pult aufstehen und das Gelernte direkt am Regal daneben umsetzen. So funktioniert learning by doing.»
Die vier Lernenden Detailhandelsfachfrauen Jessica Gmür, Lena Näf, Livi Thoma und Michelle Wenk sind seit August im zweiten Ausbildungsjahr. Nach dessen Eröffnung gehörten sie zu den ersten, die im Shop unterrichtet wurden, und sie sind sich einig: Das Konzept hat viele Vorteile. «Wir können vieles aus der Theorie direkt umsetzen und Situationen in Rollenspielen eins-zu-eins üben», so die 16-jährige Livi Thoma aus Kirchberg. Auch die 17-jährige Lena Näf aus Nassen und die 16-jährige Michelle Wenk aus Mosnang begrüssen die Hands-on-Mentalität: «Das direkte Ausprobieren und danach ein Feedback zu erhalten, ist sehr hilfreich.» Die 18-jährige Jessica Gmür aus Lütisburg hebt besonders die Übungen auf Englisch hervor: «Verkaufsgespräche in einer Fremdsprache sind selten und können im Betrieb deshalb nur wenig geübt werden», sagt sie. Im BZWU-Shop steht ein Regal mit ausgewählten englischen Produkten, die extra dafür angeschafft wurden. Ab diesem Schuljahr, verrät Christian Sauder, werden in der bilingualen Klasse ganze Teile des Fachunterrichts auf Englisch abgehalten.
Linda Bachmann
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